Ein deutsches Requiem
258 Seiten, Paperback
ISBN 978-3-937807-09-6
Lindenblatt-Media Verlag, 2006
Der Autor setzt drei Schwerpunkte. Zum einen unterbreitet er historische Facetten zum Aufstieg Preußens und zu seiner Entwicklung hin zum Deutschen Reich; zum anderen thematisiert er des Reiches Ende - seine territoriale Zerstückelung durch "Versailles" und durch "Potsdam" und die früher oder später erfolgende innere Zerrüttung in den jeweiligen Republiken. Des weiteren führt Wolf Kalz dem Leser den aktuellen Niedergang der Bundesrepublik vor Augen und befaßt sich eingehend mit der "repräsentativen Demokratie" unserer Tage. Denn so wie deren Exponenten ihre Politik für Deutschland gestalten, vollzieht sich am genuin deutschen Volk das Schicksal seines Untergangs als zu einem nurmehr deutschen Requiem.
Wolf Kalz legte in den letzten Jahren mehrere Veröffentlichungen vor, in denen er sich mit strittigen Fragen der jüngeren deutschen Geschichte auseinandersetzte. In angenehmer Erinnerung ist noch seine zuletzt erschienene Studie über die "Ideologie des ’deutschen Sonderwegs’", in der Kalz einen weitverbreiteten Mythos der bundesdeutschen Nachkriegs-Geschichtswissenschaft entzauberte, indem er rundweg bestritt, daß es einen westeuropäischen "Normalweg" von der Monarchie zu Parlamentarismus und Demokratie gebe.
Ähnlich verläuft die Argumentation in Kalz´ jüngster Arbeit. Während der Schwerpunkt zunächst auf der äußeren Ereignisgeschichte liegt, wendet sich die zweite Hälfte des Buches den verhängnisvollen inneren Folgen zu, welche die Vernichtung Deutschlands nach sich zogen.
So konstatiert er den allgegenwärtigen Triumph der Ökonomie über die Politik, die außer Kontrolle geratene Staatsverschuldung und die zu Millionen vollzogene Abtreibung zu Lasten nachwachsender Generationen.
Kalz’ Resümee fällt pessimistisch aus: Mehr als ein "Requiem", einen Abgesang auf das Modell "Preußen" möchte er seinen Lesern nicht mit auf den Weg geben. Dazu steht freilich das letzte Wort der Geschichte noch aus.