WOLF KALZ

Die Ideologie des deutschen SonderwegsDie Ideologie des "deutschen Sonderwegs"
Exkurse zur Zeithistorie

Paperback, 321 Seiten
ISBN 978-3-937807-05-8
Lindenblatt Media Verlag, 2004

19,80 EUR

Man wirft den Deutschen vor, sie hätten infolge eines von ihnen in der Vergangenheit eingeschlagenen "deutschen Sonderwegs" mit den politischen Veränderungen ihrer westlichen Nachbarn nicht Schritt gehalten. Schlimmer noch: sie hätten sich abgesondert, sich in die Romantik ihres "deutschen Idealismus" vergraben, seien den liberal-fortschrittlichen Ideen abgeneigt gewesen. Alles das zusammen habe dann die Bedingungen geschaffen, die zwangsläufig zur "deutschen Katastrophe" hätten führen müssen.

Der Autor stellt diesen Zusammenhang nicht nur in Frage, sondern auch in den Rahmen einer vergleichenden europäischen Nationalgeschichte. Mehr noch: er fordert für die Zeithistorie als dem Instrument der "Vergangenheitsbewältigung" eine neuerliche Aufklärung.

Rezension

Für die offiziöse Zeitgeschichtsschreibung ist alles klar: Die Deutschen haben in ihrer Vergangenheit einen verhängnisvollen "Sonderweg" beschritten, der über das Bismarck-Reich und den Ersten Weltkrieg schnurstracks zu Hitler und Auschwitz geführt habe. Erst mit der "Befreiung" durch die Alliierten hätten die Deutschen wieder Anschluß an die westliche Normalentwicklung gefunden.
 
Dieses Geschichtsbild verdankt sich, mit Händen zu greifen, der Umerziehungspropaganda der Sieger. Aber die Nationalgeschichte der Deutschen ist nicht schlechter oder gar minderwertiger als die Geschichte anderer Völker, denn jedes Volk geht nun einmal seinen eigenen Weg, und das arbeitet Kalz in seiner akribischen Studie überzeugend heraus: Es gibt keine westliche "Standard"-Historie mit Revolution, Demokratie und Parlamentarismus, von der sich die Deutschen sträflicherweise abgekehrt hätten. Die Bildung des neuzeitlichen Parlamentarismus mitsamt der "Menschenrechts"-Ideologie vollzog sich im Rahmen je eigener Nationalgeschichte. Vorbildlich, gar mustergültig ist an alledem das wenigste.
 
Überzeugend weist Kalz denn auch nach, daß der von bundesdeutschen Historikern und Medienmachern bemühte "Sonderweg" in erster Linie psychologischen, machtpolitischen Zwecken dient: der Niederhaltung der Deutschen im Stand der "Schuld" und ihrer fortwährenden Betroffenheit.
 
Ein sauber recherchier
tes Buch, dem weiteste Verbreitung zu wünschen ist.

mü (Nation & Europa 3/2005)